Aus- und Weiterbildung

Heute Psychoanalyse lernen.

Die moderne Psychotherapie beginnt mit der Psychoanalyse. Heute verfügt die Psychoanalyse über eine fast 120-jährige Erfahrung in der Behandlung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen und Beschwerden. Die Psychoanalyse war und ist jedoch mehr als eine psychotherapeutische Methode. Sie ist angewandte Kulturtheorie, ein nach wie vor einflussreicher Ansatz zur Untersuchung und zum Verständnis soziokultureller Phänomene wie Literatur, Film, Politik, Medien, Pädagogik oder Kunst. Und sie bietet eine wissenschaftliche Theorie der menschlichen Psyche, die laut Eric Kandel, einem der bedeutendsten Neurowissenschaftler unserer Tage »immer noch die kohärenteste und intellektuell befriedigendste Sicht des Geistes darstellt«.

In der vergleichsweise langen Geschichte psychoanalytischen Behandelns und Forschens ist ein breiter Fundus differenzierter Wissensbestände entstanden, der auf einer dreidimensionalen Auffassung der menschlichen Natur gründet: des Biologisch-Körperlichen, des Psychologischen und des Sozialen.

Nicht nur infolge dieses bio-psycho-sozialen Ansatzes zum Verständnis menschlichen Erlebens und dessen Beeinträchtigungen, sondern auch auf Grund der ständig wachsenden Erkenntnisse darüber, wie vielschichtig die Ursachen und Hintergründe menschlichen Leidens sind, versteht sich die derzeitige Psychoanalyse als mehrdimensional und multiperspektivisch. Das bedeutet, dass verschiedene praktische und theoretische Akzentuierungen Beachtung finden – angefangen mit einer auf Freud beruhenden triebtheoretischen Fundierung bis zu so genannten objektbeziehungstheoretischen, selbstpsychologischen und intersubjektiv/relationalen Ansätzen. Erkenntnisse aus der Säuglingsforschung, Bindungstheorie, Psychotraumatologie, aber auch neuropsychoanalytische und sprachtheoretisch-linguistische Ansätze ergänzen das Forschungs- und Anwendungsspektrum der Psychoanalyse inzwischen erheblich.

Die Psychoanalyse gleicht also einem Gebäude mit mehreren Etagen und Räumen, allerdings mit einem klaren Fundament: Der Auffassung, dass unsere Psyche weitaus mehr umfasst als das uns Bewusste und dass psychische Erkrankungen, Störungen, Leidenszustände und Beeinträchtigungen wesentlich auf unbewussten und deshalb alleine kaum lösbaren Konflikten beruhen. Psychotherapie, sowie ein Verständnis der menschlichen Psyche überhaupt, ohne Einbeziehung unbewusster Vorgänge und Mechanismen, Motive und Ängste, greift nach Ansicht der Psychoanalyse eindeutig zu kurz.

Auch in der Geschichte des IPP spielte ein multiperspektivisches, plurales Verständnis der Psychoanalyse immer schon eine bedeutende Rolle. Folglich orientiert sich auch unser jetziges Ausbildungskonzept daran, das Spektrum differenzieller Sichtweisen möglichst offen zu halten. Wir sehen dies als wichtige Bedingung an, um AusbildungsteilnehmerInnen eine ihrer Persönlichkeit adäquate Identifizierung mit denjenigen psychoanalytischen ‚Kernbeständen’ zu ermöglichen, die sie als werdende PsychoanalytikerInnen und/oder PsychotherapeutInnen als überzeugend, hilfreich und stimmig erfahren haben.