Einschnitte, Einrisse, Inseln – zu einer psychoanalytischen Topographie psychischer Fernen und ihrer (Un-)Erreichbarkeit (Donnerstag, 12.02.2015)

Dipl.-Psych. Dr. phil. Gerhard Schneider

Moderation: Dipl.-Psych. Dr. phil. Helmut Däuker

 

Ich untersuche in meinem Vortrag Brüche in der Perspektive psychischer Diskontinuitäten klinisch in dreifacher Hinsicht. Mit Freud und Bion wird die mit lebensgeschichtlichen und/oder therapeutischen Einschnitten verbundene psychische Aufgabe darin gesehen, sie in Zäsuren zu transfomieren, d.h. analog zu Verszeilenbrüchen in einem Gedicht das Danach mit dem Zuvor als ein Getrennt-Verbundenes zu vermitteln. Bei den Einrissen wird an Freuds Begriff des „Einrisses im Ich“ angeknüpft. Die grundlegende Struktur hier ist, daß das Ich sich in einer realitätsverleugnenden Weise selbstwidersprüchlich macht, es auf diese Weise aber möglicherweise schafft, unter nicht mehr zäsurierbaren Einbrüchen psychisch zu überleben. Die staunenswerte Fähigkeit der Psyche, im Sinne einer positiven Lebenslist Spuren des Positiven als atopische Inseln in sich zu bewahren und sich im Schutz einer Gadda-Bartleby-Insel, wie sie der Autor im Anschluß an zwei literarische Vorlagen nennt, auf das Wagnis eines analytischen Prozesses einzulassen, ist das dritte Thema. Abschließend werden diese Diskontinuitätsformen auf den soziokulturellen Bereich bezogen.

Zeit: Donnerstag, 12.02.2015, 20.30 Uhr

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